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Kinder- und Jugendpsychiatrie

PDF Geschichte der KJNP
PDF Kindergesundheit
PDF Sozialtherapeutische Wohnplätze - ein Wiener Modell kooperativer Betreuung
(Univ.Prof. Dr. Ernst Berger)
PDF Versorgungsstrukturen für Kinder und Jugendliche bei psychischen Störungen und Krankheiten
Link Kinder- und Jugendpsychiatrie
(ÖKJP)
Link Die Verantwortung von Medizin und Wissenschaft
(Univ.Prof. Dr. Ernst Berger)
Link Erklärung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie zur NS-Psychiatrie und Kindereuthanasie

Kinder- und Jugendpsychiatrie

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Kinder zu erziehen, heißt Kinder bei ihrer Entwicklung zu unterstützen.
Das tun Sie.

Sind Kinder und Jugendliche für Sie ein Problem?
Wir können helfen.

Jeder vierte bis fünfte von uns durchlebt(e) in seinen ersten zehn bis fünfzehn Entwicklungsjahren neuropsychiatrische Störungen! Wir KinderJugendPsychiaterInnen bieten ihnen für die Bewältigung derartiger Probleme Wissenstransfer, Fachinformation, Beratung, wissenschaftliche Diskussion, Begleitung, Förderung und Zusammenarbeit.

Betrachten Sie uns KJPs einfach als Entwicklungshelfer.

Kinder und Jugendliche fordern von ihren Eltern und Erziehern oft mehr als zu geben und zu wissen möglich ist: Zum Beispiel bei Entwicklungsstörungen. Diese kommen in großer Vielfalt daher und ihre Ursache ist oft schwer auszumachen.

Dazu gehören unter anderem: Folgen einer akuten Belastungssituation, Angst, Aufmerksamkeits-Regulationsprobleme, Autismus, Bettnässen, Depression, Epilepsie, Ess-Brech-Sucht, Probleme aus dem Kinder- und Jugendschutz, neurodegenerative Erkrankungen, Neurorehabilitation nach Schädel-Hirntrauma, Magersucht, Psychosen, Schreibabys, Schüchternheit, Selbstmord-Versuche, Somatisierungsstörungen, Sozialphobien, Stoffwechsel-Erkrankungen, Störungen des Sozialverhaltens, Teilleistungsschwächen, Trisomie 21, Überforderungsgefühl, Zwangsstörungen... und viele andere mehr.
Wir KJPs erklären und verstehen diese Störungen ganzheitlich.

Wir haben dafür einen speziellen Zugang.
Wir kennen die fortschreitende Entwicklung dieser Störung.
Wir erfassen die Struktur- und Systemeinflüsse.
Wir sehen das kranke Kind als Individuum und nicht bloß als Krankheitsträger.

Unser Fach erfordert große Liebe zu Kindern und Jugendlichen, andererseits umfangreiches Wissen aus verschiedenen Wissenschaften nämlich der Medizin, der Psychologie und der Pädagogik. Weil wir bei unserer Arbeit die Erkenntnisse, Methoden und Erfahrungen verschiedener Wissenschaften nützen und weil wir gleichzeitig sehr eng mit Eltern, Erziehern und medizinischen Berufen zusammenarbeiten, können wir den Prozess der Entwicklung, aber auch der Irritation erkennen und die geeigneten Behandlungswege, Förderungen und Therapien aufzeigen.

Die KJP ist eine relativ junge Wissenschaft, die sich aber stürmisch weiterentwickelt – sowohl in Österreich als auch auf der ganzen Welt. Die KJP hat sich in allen Ländern etabliert, die über ein differenziertes Gesundheitssystem verfügen. In Österreich ist sie seit 25 Jahren als Zusatzfach (für Neurologen, Psychiater und Pädiater) anerkannt und wird ab 2007 ein eigenes ärztliches Sonderfach sein. Durch die Fülle neuen und besser abgesicherten Wissens und durch neue Ausformungen von Entwicklungsstörungen haben wir uns stürmisch weiterentwickelt. Bessere Modelle der Integration und Vernetzung, schnelleren und verbreiteteren Zugang zu unseren Angeboten sowie Qualitätssicherung auf europäischem Niveau sind die gegenwärtigen Ziele unserer Arbeit.
ÖKJP

Die Verantwortung von Medizin und Wissenschaft

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Ansprache anlässlich des Begräbnisses (4. April 2002) der sterblichen Überreste der Opfer der NS-Kinderpsychiatrie am Spiegelgrund

Mein Fachgebiet – die Kinderpsychiatrie – war verantwortlich für das Töten und Quälen von Kindern. Verantwortlich in doppeltem Sinne:

Psychiater erklärten gemeinsam mit anderen Wissenschaftern, dass behinderte und psychisch kranke Menschen kein lebenswertes Leben hätten und dass diese Menschen und auch solche, die sie als „asozial“ bezeichneten, die Gemeinschaft der anderen stören.

Die zweite Seite der Verantwortlichkeit war, dass die Psychiater von den Nazis die Vollmacht erhielten, die Tötungsfantasien in die Wirklichkeit umzusetzen und dies – soweit wir heute wissen – konsequent und ohne nennenswerten Widerstand taten. Gemeinsam mit den Fürsorgeeinrichtungen sollte Wien von einer sog. „negativen Auslese“, die etwa 15% der Bevölkerung umfasste, gereinigt werden.

Wissenschafter und Ärzte haben 60 Jahre lang geschwiegen. Sie haben sich aktiv an der Verleugnung dessen beteiligt, was damals geschah. Im Gedenken an die Opfer müssen wir heute den Versuch machen, zu verstehen, was damals geschah.

Wir müssen verstehen, dass dieses Denken und Handeln in der Logik der Wissenschaft lag, und diesen nicht von verbrecherischen Machthabern aufgezwungen wurde.

Wir müssen verstehen, dass es um den Inhalt von Wissenschaft geht – um das Menschenbild und um Ethik.

Wir müssen verstehen, dass der Biologismus, der den Menschen auf seine biologischen Eigenschaften reduziert, die dominierende Wissenschaftsposition der damaligen Zeit, die Basis der Erb- und Rassenlehre war.

Wir müssen verstehen, dass der Utilitarismus jene ethische Position ist, die das Leben des einzelnen Menschen nur nach seinem Wert für die anderen beurteilt.

Wir müssen verstehen, dass diese beiden Haltungen die wissenschaftliche Grundlage dafür geliefert hat, das Leben behinderter und psychisch kranker Menschen und jener Menschen die damals als „Asoziale“ bezeichnet wurden, als lebensunwert zu definieren und durch Mord zu beenden.

Wir müssen aber auch verstehen, dass diese beiden Positionen auch heute existieren:

Der Biologismus gewinnt neue Kraft aus der modernen Gen-Forschung, wenn diese unser Menschsein auf die Eigenschaften unserer Gene reduzieren will.

Es entspricht utilitaristischem Denken, wenn die Hilfe für die schwachen Mitglieder unserer Gesellschaft nach den Gesichtpunkten der Nützlichkeit anstelle denen der Solidarität organisiert wird.

Nur wenn wir aus dem damaligen Geschehen die Lehren für heute ziehen, können wir unserer Pflicht gegenüber den Opfern – wenngleich mit 60 Jahre Verspätung - gerecht werden.

Wir müssen - dem großen Sozialpsychiater Franco Basaglia folgend - das „Andersartige“ als Teil des gesellschaftlichen Lebens begreifen. Wir müssen die Jugendpsychiatrie und die Jugendfürsorge so gestalten, dass sie die Forderung Basaglias realisieren und sich weigern, das sog. „Andersartige“ auszugrenzen. Nur dann können wir die Ehre der Opfer wiederherstellen und einer Prophezeiung entgegenwirken, die uns Erich Fried in einem Gedicht hinterlassen hat:

Erich Fried „Was geschieht“
Ernst Berger

Erklärung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie zur NS-Psychiatrie und Kindereuthanasie

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Anlässlich der gemeinsamen wissenschaftlichen Tagung der österreichischen, deutschen und schweizerischen Kinder- und JugendpsychiaterInnen in Wien hat die ÖGKJP die folgenden Ausführungen von Prof. Eckart, Univ. Heidelberg, am 3. April 2003 als kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des Faches zur Kenntnis genommen und sieht darin einen wichtigen Teil ihres Selbstverständnisses, das gegenwärtiges und künftiges Handeln prägt.

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